Heimkehr ohne Weg
- Andreea

- vor 46 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Das Leben weiß, wohin es fließt, auch wenn niemand es weiß.
Was ist, kann nicht falsch sein.
Das Wirkliche bedarf keiner Korrektur.
Das Eine findet immer zu sich selbst.
Das, was geschieht, geschieht im Schoß des Einen.
Es gibt nichts außerhalb der Ordnung dessen, was ist.
Das Leben trägt eine Weisheit in sich, die keinem gehört. Tief unter allem Wissen ruht ein Wissen, das niemand besitzt. Etwas das längst weißt, bevor ein Gedanke davon weiß, noch bevor jemand fragt, ist die Antwort bereits da. Nicht als Wissen im menschlichen Sinne, oder als ein Plan, der irgendwo verborgen läge und darauf wartet, entdeckt zu werden.
Es weiß, indem es ist.
Es trägt die Bewegung des Ganzen in sich, ohne darüber nachdenken zu müssen. So wie das Herz schlägt, ohne sich selbst zu verstehen, so wie die Sonne scheint, ohne zu wissen, dass sie scheint. Und vielleicht ist genau das das große Geheimnis:
alles geschieht, ohne dass irgendjemand wirklich weiß, wie es geschieht.
Das Leben findet immer zu sich selbst zurück. Alles kehrt auf geheimnisvolle Weise zu seinem Ursprung heim. Das Ganze kennt seinen Tanz und das Mysterium verfehlt sich niemals.
Der Mensch stellt sich vor, er müsse verstehen... er möchte den Schlüssel finden, die richtige Lehre, den richtigen Weg, die endgültige Antwort ...
doch jedes Wissen, das sich greifen lässt, gehört bereits zur Welt der Dinge.
Es ist ein Gegenstand im Bewusstsein.
Was aber soll das Bewusstsein selbst über sich wissen?
Welchen Abstand könnte es zu sich gewinnen, um sich zu betrachten?
Es gibt keinen.
Darum bleibt das Wesentliche immer ein Mysterium ... weil es näher ist als jeder Gedanke, der danach greifen möchte.
Es ist so nah, dass kein Abstand entsteht.
So unmittelbar, dass kein Erkennen im gewöhnlichen Sinn möglich ist.
Vielleicht ist das der Grund, warum alle großen Worte irgendwann versagen ... Gott. Tao. Wahrheit. Bewusstsein. Liebe ... sie zeigen auf etwas, das sich nicht festhalten lässt. Und sobald man glaubt, es verstanden zu haben, hat man bereits eine Vorstellung daraus gemacht ... und die Vorstellung ist nie das Lebendige selbst ...
Das Lebendige geschieht jetzt.
Es geschieht als dieser Augenblick, als dieses Lesen, als die Bewegung der Gedanken, als die Stille zwischen ihnen. Es geschieht als Suche und als Finden, als Zweifel und als Gewissheit. Nichts steht außerhalb davon ...
selbst der Widerstand gegen das, was ist, ist eine Bewegung dessen, was ist.
Darum erscheint mir jeder Anspruch, den Weg zu kennen, seltsam ... dir auch?
Wie könnte eine Welle dem Ozean erklären, wie er sich bewegen soll?
Wie könnte ein Gedanke dem Bewusstsein sagen, was Bewusstsein ist?
Die größte Demut liegt vielleicht nicht darin, wenig zu wissen, sondern darin zu erkennen, dass niemand weiß ... und doch geschieht alles mit einer unergründlichen Stimmigkeit.
Jeder Mensch wird auf seine Weise gerufen, durch das Leben selbst.
Für den einen spricht es durch Freude, für den anderen durch Verlust.
Für manche durch Schönheit, für andere durch Verzweiflung.
Das Leben benutzt alles.
Es verschwendet nichts.
Selbst Umwege werden zu Wegen ...
Selbst das Vergessen dient dem Erinnern.
Darum gibt es keinen einzigen Pfad.
Es gibt nur die unzähligen Bewegungen des Einen, das sich in den Formen seiner eigenen Erscheinung begegnet. Jeder Weg ist einzigartig und doch führen alle letztlich an denselben Ort – oder genauer gesagt:
zur Erkenntnis, dass es nie einen anderen Ort gegeben hat.
Was verschwindet, ist nicht die Welt.
Was verschwindet, ist die Vorstellung von Trennung.
Plötzlich ist da kein Jemand mehr, der dem Leben gegenübersteht ...kein Beobachter auf der einen Seite und ein beobachtetes Universum auf der anderen. Das alte Gefühl, eine Insel zu sein, löst sich auf wie Nebel in der Morgensonne und was bleibt, ist etwas so Einfaches, dass der Verstand es ständig übersieht.
Nur das.
Nur dies.
Nur das eine Leben, das sich in unzähligen Formen betrachtet und dabei niemals zu zwei wird.
Vielleicht ist das die Bedeutung des lebendigen Wortes. Nicht eine Botschaft, die ausgesprochen wird ... nicht eine Lehre, die man lernen könnte ... nur die fortwährende Selbstoffenbarung des Seins in jedem Augenblick.
Das ewige Gespräch des Einen mit sich selbst.
Und wer wirklich hinhört, hört das Mysterium –
und erkennt darin seine Heimat.





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