Selbstbeobachtung im Alltag – ein innerer Dialog
- Andreea

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag

vom Erkennen zur Erfahrung
Erkennen allein verändert nichts
es ist ein Licht, das auf etwas fällt –
das Gesehene muss betreten werden
zwischen dem Verstehen und dem Leben liegt ein feiner Raum –
ein Raum, in dem Gedanken stiller sind
und Wahrnehmung sich zu verdichten beginnt
hier zeigt sich, ob das Erkannte nur eine Idee bleibt
oder zu einer Erfahrung wird
in diesem Raum beginnt Selbstbeobachtung
es ist keine Suche nach Antworten, sondern ein Lauschen
kein Versuch mehr, etwas zu erreichen,
es ist die Bereitschaft, dem zu begegnen, was bereits da ist
das Bewusstsein prüft sich nun im Alltag
in kleinen Momenten
in Reaktionen, die auftauchen, bevor sie benannt werden
in Gedanken, die kommen, ohne gefragt zu werden
und in Gefühlen, die erscheinen, bevor sie verstanden sind
hier verliert das Große seinen Glanz
und das Einfache seine Selbstverständlichkeit
Erkenntnis wird verkörpert
sie zeigt sich im Umgang mit dem, was geschieht
und genau hier beginnt der eigentliche Dialog
...
du weißt all das, sage ich mir
und doch vergisst du es
Ich stehe morgens auf –
der Körper ist müde, der Geist bereits beschäftigt
Gedanken tauchen auf, noch bevor ich sie bemerke
und so wird der Tag wider geplant und bewertet
wer denkt da gerade?
und warum fühlt sich das so selbstverständlich an?
Ich halte einen Moment inne –
und beobachte
da ist ein Gedanke, der irgendwie Eile erzeugt
da ist ein Gefühl von etwas das sich nicht beschreiben lässt
und ein innerer Kommentar über den kommenden Tag
das bist nicht du, sage ich mir nicht
Ich sage auch nicht: das darf nicht sein
Ich sehe nur hin und etwas verändert sich
nämlich die Identifikation mit ihm wird lockerer
später, im Gespräch mit einem anderen Menschen
trifft mich ein Satz und ein Widerstand entsteht
ein inneres Zusammenziehen
warum reagierst du gerade so? frage ich mich innerlich
die Antwort kommt als Körpergefühl
als Erinnerung oder als altes Muster, das sich zeigt
Ich beobachte, wie schnell ein Bild von mir entsteht
vom anderen und von der Situation
und wie schnell die Rolle bereit ist, es für wahr zu halten ...
und so geschieht Selbstbeobachtung
mitten im Leben, als präsentes Wahrnehmen
... Abends, allein
der Tag klingt nach
Gedanken tauchen auf ...
hätte ich anders reagieren sollen?
war das richtig? war das falsch?
Ich lächle ...
weil ich erkenne, was geschieht
Bewusstsein spricht leise
es wartet, bis ich bereit bin, zuzuhören
und immer wieder stelle ich fest
Ich bin nicht die Reaktion
nicht einmal der Beobachter im klassischen Sinn
Ich bin der Raum,
in dem all das erscheinen
und wieder vergehen darf
manchmal vergesse ich das
oft sogar
und genau darin liegt die Übung
im immer neuen Wieder-Erkennen
so wird der Alltag zur Praxis
als Spiegel, als Bewegung
und langsam, verändert sich etwas Grundlegendes
das Leben bleibt
doch ich werde weiter, weil ich weniger festhalte
Vielleicht erkennst du dich selbst darin.
Vielleicht magst du einen Moment innehalten und in dich hineinspüren –
die Gedanken anschauen, die unbemerkt durch deinen Tag ziehen,
die Gefühle wahrnehmen, die auftauchen, bevor du sie benennst.
Kannst du sie einfach sein lassen –
ohne zu werten, ohne zu verändern?
Vielleicht bemerkst du, dass du nicht deine Reaktionen bist, nicht einmal deine Gedanken. Du bist der Raum, in dem alles erscheinen und wieder vergehen darf. Und während du dies liest, kannst du dich fragen:
Welche kleinen Momente im Alltag laden mich ein, zu beobachten, zu lauschen, statt sofort zu handeln?Wo kann ich erkennen, ohne festzuhalten, erfahren, ohne zu beurteilen?
Selbstbeobachtung ist ein fortwährender Dialog, ein Tanz zwischen Verstehen und Leben. Und vielleicht – nur vielleicht – beginnt genau hier ein neues Wahrnehmen und vielleicht ganz dein eigenes.





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